T.C. Boyles neuer Roman – Das Licht

Hanser Verlag

T.C. Boyle – Das Licht

Im Jahr 1943 entdeckt der Wissenschaftler Albert Hofmann, der zur damaligen Zeit für das Chemie-Unternehmen Sandoz arbeitet, eine Substanz, die später große Bekanntheit erlangen wird als die stärkste bewusstseinsverändernde Droge, LSD. Hofmann selbst forschte viele Jahre mit dem Stoff, den er zufällig entdeckt hatte und dessen Wirkung ihn hauptsächlich in Bezug auf die menschliche Psyche interessierte.

Einige Jahre später, um genau zu sein 1962, nahm sich ein Psychologie-Professor der Harvard University der Substanz an und experimentierte vermehrt mit dem Einsatz in der Psychoanalyse. Wer etwas bewandt ist auf dem Gebiet der Psychologie oder aber zur damaligen Zeit schon gelebt hat, weiß, dass die Experimente mit den Jahren aus dem Ruder liefen und Professor Timothy Leary als Drogen-Guru Berühmtheit erlangte. Unter dem Deckmantel der Forschung versammelte er Unmengen an Studenten um sich und verabreichte ihnen die Substanz wie eine Hostie. Die Harvard University reagierte auf diese Auswüchse mit seiner Entlassung, doch auch das konnte die Entwicklung nicht mehr stoppen. Timothy Leary und seine Jünger isolierten sich in der bekannten Hippie-Villa in Millbrook nahe New York, lebten in einer Kommune, deren Lebensstil geprägt war von freier Liebe und Drogenexzessen. Das anfänglich wissenschaftliche Projekt war zum Scheitern verurteilt.

Der amerikanische Autor T.C. Boyle nimmt diese Geschehnisse zum Gerüst seines neuen Romans »Das Licht«.

 »Er [Timothy Leary] war dieser absurd zugedröhnte LSD Idiot. Wir waren die echten Hippies. Wer ist dieser Typ? Es war spannend die Geschichte dahinter zu erzählen. Immerhin war er ein super angesagter Harvard Professor«, äußerte sich Boyle in einem Interview mit der ARD bezüglich der Rahmenerzählung seines Romans, die eine tolle Grundlage für eine spannende Erzählung bietet. 

Die Binnenerzählung handelt von einem seiner Jünger, Fitzhugh Loney, genannt Fitz. Fitz selber forscht an der Harvard University und gerät nach und nach in den Kreis der engsten Vertrauten Learys. Zusammen mit seiner Frau nimmt er an mehreren »Sessions« teil, deren Bestandteile anfangs die aus Pilzen gewonnene Substanz Psilocybin ist und später, selbstverständlich, LSD. Mit einer Gruppe mehrerer Studenten, Professoren und Freunde Learys ziehen sie in die Millbrook-Villa, wo der harmonische Schein der Bewegung langsam zu bröckeln beginnt. 

Boyle erzählt diese Geschichte chronologisch und relativ konventionell. Dabei schafft er es trotzdem, die Leserschaft mitzureißen. Es entwickeln sich ein Verständnis für das Handeln des Protagonisten Fitz und eine Bindung. Die entscheidenden Figuren der Geschichte, Albert Hofmann und Timothy Leary, bleiben dabei jedoch leider etwas »flach«, was angesichts der Figuren vergangener Boyle Romane etwas schade ist, denn aus »Wassermusik« oder »Grün ist die Hoffnung« wissen wir, dass Boyle durchaus in der Lage ist, komplexere Figuren zu entwerfen. Hier bleibt er hinter seinen Möglichkeiten zurück. 

»Das Licht« ist trotz alledem ein unterhaltsamer Roman, der durch seinen wahren Hintergrund an Aufsehen gewinnt, und nicht zu Unrecht in den Bestseller-Listen auftaucht. Wer Boyles Stil mag und auch schon ältere Romane von ihm gelesen hat, kommt um dieses Werk nicht herum und kann hoffen, dass ihm nach der Lektüre in Sachen Bewusstseinsverändernden Substanzen ein Licht aufgeht. 

Erschienen ist der Roman im Hanser Verlag und umfasst 380 Seiten. Das psychedelisch gestaltete Cover rechtfertigt nicht den Preis von 25 €, macht sich aber allemal gut im Bücherregal. 

Viel Spaß beim Lesen!

Sebastian Becker

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