(Deutsch) Leila Slimani – All das zu verlieren

Luchterhand Verlag

Leila Slimani – All das zu verlieren

Wer die junge französische Autorin Leila Slimani schon von ihrem preisgekrönten Roman dann schlaf auch du kennt, wird sich zunächst über den Titel ihres neuen Romans wundern. All das zu verlieren heißt dieser, neu auf Deutsch erschiene Debütroman der Autorin aus dem Jahr 2016, wobei der Titel zunächst einmal nicht sehr aufregend klingt. Im Französischen heißt der Roman Dans le jardin de l'ogre was wörtlich übersetzt »Im Garten des Monsters« bedeutet. Die wörtliche Übersetzung trifft den Inhalt dabei wesentlich besser, denn es handelt sich nicht um eine Liebesschnulze, sondern spielt, wie auch schon ihr anderer Roman, mit den Abgründen des gut situierten bürgerlichen Lebens einer Pariser Kleinfamilie. 

Die Protagonistin Adèle lebt mit ihrem kleinen Sohn und ihrem Mann, einem gut verdienenden Mediziner, im 18. Arrondissement. Ein Leben, das sich manch anderer wünschen würde, doch wird schon auf den ersten Seiten klar, dass Adèle sich damit nicht ganz zu frieden gibt. Immer wieder nähert sie sich fremden Männern auf sehr direkte Weise, sie besitzt ein zweites Handy, von dem ihr Mann nichts weiß und führt so ein Doppelleben. In den Sextreffen mit anderen Männern, welche oft hemmungslos und brutal ablaufen, findet sie nicht nur körperliche, sondern auch seelische Befriedigung, während sie das konventionelle Leben als Journalistin, Mutter und Ehefrau deprimiert. Doch dann kommt ihr Mann Adèle auf dich Schliche. 

Slimani erzählt die Geschichte der Sexsüchtigen Adèle in der Retrospektive, was nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen ist. Manchmal verwirren die zeitlichen Sprünge der Autorin ein wenig, im Großen und Ganzen lassen sich jedoch die 218 Seiten des Romans leicht weglesen. Eine psychologische oder soziologische Ursache und somit der Begründung für das Verhalten der Protagonistin sucht der Leser erfolglos. Zwar lassen sich Ansätze in der Jugend der Protagonistin finden, eine eindeutige Kausalität bleibt jedoch unbesprochen. Hier hätte der Roman gerne noch 100 Seiten länger sein können. 

Trotzdem ein rundum gelungenes Stück Literatur und für jeden der noch eine Urlaubs- oder Strandlektüre sucht ein Tipp.

Viel Spaß beim Lesen

Sebastian Becker

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *